Fettnäpfchen

Hallo, meine Lieben!

ich glaube, ihr wisst alle was ein Fettnäpfchen ist! Und ich, ja ich, gehöre zu denjenigen, die alle nasenlang in einem dieser unbequemen Näpfchen landet. Der „beste Ehemann der Welt“ behauptet sogar, dass mein zweiter Wohnsitz das Fettnäpfchen ist. Das krasseste Beispiel dazu ist mir vor einigen Tagen passiert. Und das kam so.

  Um die Mittagszeit war ich mal schnell zum Einkaufen in die Stadt gegangen. Da traf ich – plötzlich und unerwartet – eine frühere Freundin aus meiner meiner Sturm- und Drangzeit. Lang, lang ist’s her, dass wir uns das letzte Mal gesehen hatten; grob geschätzt mehr als 30 Jahre, und zwar auf einer dieser Neuen-Deutschen-Welle-Feten. Und Uschi, ja die war damals ein echt heißes Modell, also so ziemlich das genaue Gegenteil von mir. Ich habe mich wirklich gefreut, sie nach sooo langer Zeit wieder zu sehen. Erstaunlicherweise hatte ich sie sofort erkannt, obwohl ich normalerweise ein sehr schlechtes Menschengedächtnis habe! Früher hatten wir viel miteinander unternommen. Gemeinsam mit ihrem Ehemann haben wir zusammen Fussballspiele angeschaut, Parties geschmissen und sogar spasseshalber noch einmal die Tanzschule besucht. War schon der Wahnsinn! Aber sehr schön! Ich glaube, Uschi war auch ganz angetan, mich zu sehen. Jedenfalls: Umarmung! Küsschen links, Küsschen rechts, Küsschen wieder links. Wie der Bruderkuss von Michail Gorbatschow und Erich Honecker zum 40. Staatsjubiläum der DDR. Doch dann:  Enttäuschung pur. Völlig emotionslos leierte sie die üblichen Begrüßungsfloskeln herunter. „Wie geht es dir? Was machst du noch so?  Du siehst aber gut aus!“ Antwort meinerseits: „Ja, alles bestens, Mir geht’s gut. Läuft!“ (Ich kann auch Floskeln).  Und ehrlich wie immer bemerkte ich: „Aber DU siehst gar nicht gut aus! Bist du etwa krank? Sooo abgemagert!“  (Au weia, da war es wieder, mein Fettnäpfchen) Die Kälte, die jetzt aufkam, war körperlich spürbar. Uschis Erwiederung, sehr spitz und eine Tonlage höher: „Ich bin defintiv NICHT krank, eher das Gegenteil! Ich treibe viel Sport   für meine Figur (das ist keine Figur, das ist ein Knochengestell). Schwimmen und Joggen täglich und einmal die Woche ins Fitnessstudio!“  „Oh, sorry!“ Ich musste unbedingt vom Thema ablenken, sonst würde das hier peinlich. „Wie geht es Rudi? Grüß‘ ihn mal schön von uns!“(Rudi war immer ein besonders lustiger und charmanter Typ, den wir sehr mochten!) „Rudi und ich sind seit 12 Jahren geschieden!“ Ja, wundert mich das? „Ich habe seit einiger Zeit einen neuen Lebensabschnittgefährten (welch‘ ein Wort, kann sie nicht einfach Freund oder Lover sagen?) Da drüben steht er, an dem Schaufenster. Er schaut sich die Modelleisenbahnen an!“ Neugierig beäugte ich diesen neuen Mann in Uschis Leben.„Na, hör‘ mal, Uschi! Ist der nicht ein bisschen zu jung für dich?“ Der ist doch mindestens 10 Jahre jünger!“ (Oops, wieder winkte mir das Fettnäpfchen freundlich zu. Kann ich nicht einfach erst denken und dann reden? Nein, kann ich nicht.) „Also, meine liebe Anne, zu deiner Information, Norbert ist exakt 1 Jahr und 3 Monate älter als ich.“ Ich musste mir etwas Aufmunterndes einfallen lassen, denn die Stimmung näherte sich gefährlich dem Gefrierpunkt.  Hinterherzieh      Wild entschlossen hakte ich Uschi unter und zog sie in Richtung der gegenüber liegenden Eisdiele. „Wir beide ziehen uns jetzt einen fetten Eisbecher rein und quatschen über alte Zeiten!“ Dieser Tag war offensichtlich nicht der Tag zum Lottospielen, denn Uschi konterte sofort: „Keine Chance, Anne! Ich ernähre mich seit einiger Zeit nur ayurvedisch. Süßes verboten!!!“ (Zum Verständnis: Uschi war füher Köchin – eine sehr gute sogar – in einem Restaurant. Und dem Essen war sie nie abgeneigt!) Ich lasse nicht locker: „Na gut, dann spendiere ich dir eben einen Kaffee oder Capucchino plus einen Asbach! Komm‘ schon!“ Wieder eine Absage: „Auch das nicht. Coffein, Nikotin, Alkohol, alles das ist doch total ungesund. Kommt für mich nicht in Frage!“ Aha, Uschi ist also vom Saulus zum Paulus mutiert! Früher war keine Flasche mit alkoholischem Inhalt vor ihr sicher. Und gequalmt haben wir doch alle wie die Schornsteine! Wiederum versuche ich einen Themawechsel. Ich werde die Uschi doch wohl noch aus dem Quark kriegen!!! „Kochst du noch im „Alten Ochsen? Dann kommen wir mal zum Essen bei dir vorbei. Ich fänd’s super!“ Eigentlich hatte ich das nur gesagt, um überhaupt was zu sagen, ohne gleich wieder den Griff ins Klo zu tun. Uschis Antwort darauf hatte mich dann aber komplett umgehauen: „Norbert (also der neue Lover!) und ich haben eine Umschulung gemacht. Wir unterrichten jetzt Yoga, Qui-Gong, Meditation und Autogenes Training. Wir beraten bei Eheproblemen und machen Familienaufstellungen. Wenn ihr möchtet, im Kundalini-Yoga-Kurs sind noch Plätze frei. Könntet ihr gern mal – unverbindlich natürlich – reinschnuppern.“ Nee, Uschi, eher nicht!!! Ich sagte das jetzt nicht laut, sondern statt dessen: „Wenn ihr Lust habt, könnt ihr – also du und Norbert – auch mal bei uns vorbei kommen. Trinken wir eine schöne Tasse grünen Tee zusammen. Ich backe einen ayurvedischen Ingwerkuchen und schauen dann gemeinsam Bibel TV im Fernsehen!“ (Das letzte Fettnäpfchen, aber das mit Absicht!)

Spätestens jetzt hatte Uschi gemerkt, dass die Chemie zwischen uns nicht, aber auch gar nicht mehr stimmt. Und das war das Ende einer anfangs so hoffnungsvollen Begegnung!“

 „Schatz, ich habe Uschi getroffen!“ Der „beste Ehemann der Welt“ guckt mich verständnislos an: „Welche Uschi?“ „Ach, weisst du nicht mehr. Die Frau vom Rudi!“ Mein Ehemann schmunzelnd: „Ja, ich weiss! Das war ja mal ein heißer Feger!“ Ich: „Ja, Schatz, WAR, das ist der richtige Ausdruck! Sie hat uns zu einem kostenlosen Kundalini-Yoga Kurs eingeladen!“

Ungläubiges Kopfschütteln vom „besten Ehemann der Welt“ bevor er den Rückzug an seinen Computer antritt, dabei vor sich hinmurmelnd: „Ein Kamasutra-Kurs wäre mir lieber!“

Und ich, was mache ich jetzt? Ich stricke mal wieder. Einen Teddy zum Knuddeln, den brauche ich jetzt!

Tschüss

Eure Anneliese Taaaaaaaank

(Anmerkung der Autorin: Bei der obigen Handlung handelt es sich um eine frei erfundene Geschichte. Jede Ähnlichkeit mit lebenden oder verstorbenen Personen wäre rein zufällig!)

 

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Die Anleitung zu diesem Thema stammt von zuHausewohnen.

http://www.zuhausewohnen.de/downloads/strickanleitungen/download/teddy-grossfuss-aus-feiner-merinowolle

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2 Kommentare zu “Fettnäpfchen

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